Kalabrien
Region:
Kalabrien oder Calabria/ Provinzen: Catanzaro, Cosenza, Crotone,
Reggio di Calabria, Vibo Valentina/ Fläche: 15 080 qkm/
Einwohner: 2 000 000
Kalabrien ist
die sog. Stiefelspitze Italiens zwischen dem Tyrrhenischen und dem
Ionischen Meer. Nur eine schmale Wasserstraße, die Straße von
Messina, trennt es von Sizilien.
Das
Kalabrische Apennin, das ganz Kalabrien durchzieht und zwar
südlich das Gebiet Aspromonte mit dem Montalto ( 1956m) und
nördlich das Gebiet La Silla mit dem Botte Donato ( 1930 m.),
besteht aus Gneiß und Granit. Diese Gebiete werden durch ein
ehemals sumpfiges Tiefland getrennt, das vom Golf von Santa
Eufemia und dem Golf von Squillace begrenzt wird. Das fruchtbare
und schöne Crati - Tal liegt an der Westküste wo die Kalabrische
Küstenkette, die Catena Costiera schroff zum Meer hin abfällt.
Rund 40% der
Fläche von Kalabrien sind von dichten Wäldern aus Kiefern und
Buchen bedeckt und von großer Schönheit.
Immer wieder
kommt es zu Erdbeben, die im Gebiet um die Straße von Messina
besonders heftig sind und auch große Verwüstungen anrichten.
Das antike
Kalabrien war von den Japygern, einem illyrischen Volksstamm
besiedelt. Es erstreckte sich zwischen dem Golf von Tarent und der
Adria, bildete also den sog. Absatz Italiens. Im Jahre 272 v. Chr.
unterwarfen die Römer diesen Landesteil. Der Bereich, den wir
heute Kalabrien nennen, war das Land der Bruttier und gehörte seit
ca. 800 v. Chr. zur Magna Graecia. Im zweiten punischen Krieg
wurde es von den Römern besetzt.
Nachdem das
ostgotische Reich untergegangen war, fiel das Land an Byzanz, hier
erhielt es später den Namen Kalabrien. Im 9. und 10. Jh., hatte
Kalabrien unter häufigen Überfällen der Sarazenen zu leiden, 1060
wurde es von den Normannen erobert. Später gehörte das Land zum
Königreich Neapel und seit 1860 zum vereinigten Königreich
Italien.
Heute ist
Kalabrien eines der am wenigsten wirtschaftlich erschlossenen
Gebiete Italiens. Vorherrschend ist die Landwirtschaft, vor allem
in den Niederungen gedeihen Oliven, Weizen, Feigen und Wein, in
höheren Lagen wird Weidewirtschaft betrieben.
Bodenschätze
sind rar, lediglich die Schwefelvorkommen bei Strongoli und die
Steinsalzlager bei Lungro sind von Bedeutung. Im Sila - Gebirge
gibt es mehrere Stauseen, die Elektrizität produzieren.
Hauptstadt
der Region ist Catanzaro, das auf einem nach drei Seiten
abfallenden Plateau liegt. Die Stadt ist Sitz eines Erzbischofes,
besonders schön ist die Kirche San Domenico und die Kathedrale,
beide in der Stadtmitte gelegen. San Domenico, auch die
Rosenkranzkirche genannt, besitzt sehr schöne Gemälde und
Skulpturen, darunter den bemerkenswerten Altaraufsatz „Madonna del
Rosario“.
Empfehlenswert ist auch ein Besuch der Villa Bellavista und der
Stadtgarten mit der Villa Trieste. Von beiden hat man eine sehr
schöne Aussicht.
Am Golf von
Squillace, südlich von Catanzaro liegt der Badeort Cantanzaro
Marina. In seiner Nähe findet man die Ruinen der Basilika
Santa Maria della Rocella aus dem 11. Jh.
Westlich
davon lohnt das Städtchen Tiriolo einen Besuch. Es ist
bekannt für seine schönen Trachten und die exquisiten Spitzen und
Stickereien. Auf dem Monte Tiriolo über dem Ort, sind die
Ruinen eines alten Kastells zu besichtigen.
In
Küstennähe, ca. 34km von Cantanzaro entfernt, liegt die kleine
Stadt Paola in der 1416 der Gründer des Ordens der Paulaner,
der hl. Franzsikus von Paola geboren wurde. In der Basilika des
Klosters aus dem 15. Jh., werden Reliquien des Heiligen
aufbewahrt.
In Cosenza,
einer Stadt im Crati - Tal starb im Jahre 410 der Westgotenkönig
Alarich. Generationen von deutschen Schülern mußten die Ballade
vom „ Grab im Busento“ auswendig lernen, die von dieser
Begebenheit berichtet. Früher war Cosenza unter dem Namen Cosentia
die Hauptstadt des Bruttierreiches, heute ist sie
Provinzhauptstadt und Sitz eines Erzbischofes.
Die
malerische Altstadt liegt in der Mündungsspitze von Crati und
Busento. Die Kathedrale wurde 1222 geweiht. Hier wurde 1242 der
Stauferkönig Heinrich VII begraben und 1271 die Gattin Philipps II
von Frankreich, Isabella von Aragon. Am südlichen Ende der
Altstadt erhebt sich das Kastell. Es wurde durch die schweren
Erdbeben von 1783 und 1905 zum größten Teil zerstört.
Crotone,
eine Industrie - und Hafenstadt an der Ostküste ist wegen ihrer
langen Strände ein beliebtes Urlaubsziel. Sie hieß im Altertum
Crotone und geht auf eine Gründung der Achäer im 8. Jh. v. Chr.
zurück. im 6.Jh. v. Chr. wurde die Stadt vom pythagoräischen Bund
beherrscht und 530 v. Chr. gründete hier Pythagoras mehrere
Philosophenschulen.
Im Dom ist
besonders der Kirchenschatz zu beachten, sowie eine schöne,
byzantinische Madonna. Im Museo Archeologico Statale befindet sich
eine interessanter Sammlung vorgeschichtlicher und antiker Funde.
Sehr lohnend
ist von hier eine Fahrt nach Capo Colonna, das einstmals
eine Kultstätte der Hera Lacinia war. Im Jahre 282 v. Chr.
lösten die Römer mit einer Umschiffung dieses Kaps den Pyrrhischen
Krieg aus, im zweiten punischen Krieg ( 218 - 201 v. Chr. ) hatte
Hannibal hier sein Lager, das er 203 wieder verließ nachdem er ein
Verzeichnis seiner Taten im Tempel hinterlegt hatte.
Lohnenswert
ist in jedem Fall eine Fahrt durch das Silla - Gebirge das
sich in die Bereiche Silla Grande, Silla Greca und Silla Piccola
aufteilt. Es ist eine pittoreske Landschaft, umfaßt 3300 qkm und
ist im durchschnitt ca. 1350 m hoch. Die unberührten Wälder, in
denen noch Wölfe leben, bestehen aus Schwarzkiefern, Kastanien,
Eichen, Buchen und Fichten. Hier findet man viele Stauseen wie den
Lago Ampolio oder den Lago Arvo durch die Elektrizität erzeugt
wird.
Im Norden,
der Silla Greca liegt die Stadt Rossano. Sie war
früher die Hauptstadt der Region Kalabrien und ist auch heute noch
Sitz eines Erzbischofs. Am Stadtrand liegt die Kirche San Marco,
ein imposanter byzantinischer Bau aus der Normannenzeit mit 5
Kuppeln.
Im
Diözesanmuseum wird eine sehr kostbare Evangeliarhandschrift aus
dem 6. Jh. aufbewahrt. Lohnend ist ein Besuch der Via Garibaldi
von der aus man einen einmaligen Blick auf die Ebene von Kalabrien
hat.
Am Unterlauf
des Crati, nordwestlich von Rossano liegen die Überreste der
antiken Stadt Sybaris. Sie wurde 709 v. Chr. von den
Achäern gegründet und 510 v. Chr. wieder zerstört. Hier wird seit
1960 gegraben und geforscht.
Am Lago
Ampollono liegt der Ort San Giovanni in Fiore, das Zentrum Sila -
Region. Hier lebte im 12. und 13. Jh. Joachim von Fiore, ein für
seine Reformen bekannter Abt. Sein Leben ist hier die Grundlage
für umfangreiche Forschungsarbeiten.
Ebenfalls im
Sila - Gebiet liegt der Nationalpark Parco Nazionale della
Calabria mit seiner bermerkenswerten Fauna und Flora. Er ist
in jedem Fall einen Besuch wert.
Ebenfalls
lohnen sich Besuche des Grabungsgebietes von Locri wo man
die Ruinen einer Griechischen Stadt, sowie Tempel und eine
griechische Nekropole aus dem 6. und 5. Jh. v. Chr. ausgegraben
hat, Scilla, sowie die alte Hafenstadt Reggio di
Calabria .
Landestypische Spezialitäten
Weine
- Ciro`ein sehr starker und dunkler Rotwein
Speisen
- Pasta incasta, eine Nudelspezialität
- Melanzane, Auberginen, die auf verschiedene Arten zubereitet werden
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